"um den Begriff 'Patrizigasse' zu beleuchten ..."
Eva Englberger | Abteilungsvorsteherin in Ruhe | Ein Rückblick bis ins Jahr 2003
Es gilt, ein Vierteljahrhundert „Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik der Stadt Wien“ in Wien Floridsdorf festlich zu erfassen. Um den Begriff “Patrizigasse“ zusätzlich zu beleuchten, soll hier der Blick auf Anfänge und Entwicklung dieser Institution gelenkt werden.
Erster Höhepunkt
In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg trat der großzügige Wohlfahrtsplan der Stadt Wien in Kraft, der durch seine eindrucksvolle Kindergartenpädagogik besonders auffiel. 1924 entstand in der Nachfolge der „Privatbildungsanstalt des Vereines für Kindergärten und Kinderbewahranstalten“ die „Städtische Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen“ in Wien 12, Dörfelstraße als Privatschule der Stadt Wien. Der Unterricht orientierte sich beispielhaft an den aktuellsten Anforderungen und fand in der Vielzahl der neu erbauten Kindergärten und Horte seine Umsetzung.
Nach dem Stillstand der NS-Zeit wurde 1945 eine Ausbildungsstätte der Magistratsabteilung 11 in Wien 17, Oberwiedengasse (Sängerwarte) und später eine Schule in Wien 11, Hasenleiten, eingerichtet.
Zweiter Höhepunkt
1956 etablierte sich in Wien die legendäre Bildungsanstalt Siebeneichengasse als der zweite Markstein der städtischen Abteilung. Die günstige Lage und eine dynamische Zeit der aufbauenden Kontinuität waren der Weiterentwicklung förderlich. Der zweijährige Lehrgang wurde nach dem Probelauf eines zusätzlichen Übergangsjahres 1958 zur dreijährigen Ausbildung erweitert. Neben den berufsorientierten Fächern wurden nun kreative Schwerpunkte gesetzt, etwa in der Gestaltung von Festen, musische Fächer wie Chorgesang, Rhythmisch-Musikalische Erziehung, „Art of Movement“ nach LABAN oder Werkerziehung wurden stärker akzentuiert. Der Zustrom von Schülerinnen und der wachsende Mangel an Kindergärtnerinnen forderten Mitte der Sechzigerjahre die Errichtung von Parallelklassen.
Um 1970 hatte sich generell das gesellschaftliche Augenmerk auf den Kindergarten verstärkt. Wissenschaftliche Erkenntnisse über Aktivitäten des Lernpotenzials durch intensivere Sprachförderung des Kleinkinds beeinflussten speziell Didaktik und Praxis. Das wachsende Angebot an Fachliteratur und an Spielgaben zur Erprobung sowie das verstärkte Mitsprachebedürfnis der Eltern brachten eine weitere Profilierung.
Mit dem Lehrplan aus dem Jahr 1964 wurde die Schuldauer 4-jährig und beinhaltete auch gesetzlich die zusätzliche Ausbildung zur Horterzieherin. Auch Kindergärtner waren nun willkommen. Der bestehenden Personalnot wurde durch die Schaffung einer dreijährigen berufsbegleitenden „Externistenausbildung“ begegnet. Sie sollte sich später von 1989 bis 1999 bei Bewerberinnen mit Reifeprüfung als zweijähriger Ausbildungslehrgang fortsetzen.
Dritter Höhepunkt und Wendepunkt
Schon seit längerer Zeit bahnte sich die Veränderung des Ausbildungsganges zur 5-jährigen Langform an. Mit dem Lehrplan aus 1985 (Novellen 1992, 1996) wurden Reife- und Befähigungsprüfung bzw. Reife und Diplomprüfung (VO 2000) eingeführt. Der Zugang zu Hochschulen war damit erreicht. Festgelegt wurde auch die Bezeichnung „Bildungsanstalt füt Kindergartenpädagogik“, kurz „BAKIP“.
Der Bau einer neuen, großen, den Vorstellungen von moderner Schule entsprechenden Bildungsanstalt war in Planung. Im bedeutungsvollen Herbst des Jahres 1978 hatte die Siebeneichengasse eine neue Heimat und „zog um“ in eine großzügig gestaltete Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik der Stadt Wien in der Patrizigasse 2. Das als Kindertagesheim geführte Übungshaus war angeschlossen. Ein Geist des Aufbruchs und der freudigen Erwartung erfüllte alle Beteiligten. Die großartigen Möglichkeiten der neuen Schule wurden zweckorientiert und kreativ angenommen. Die BAKIP Patrizigasse mit ihrer multifunktionalen architektonischer Konzeption erwies sich als flexibel und erweiterbar und bot die Voraussetzung, eine durch den allgemeinen sozialen, pädagogischen und schulorganisatorischen Wandel erforderlichen Schulentwicklung besonders zu fördern.
Unterschiedliche Aktivitäten, Ausbildungs- und Fortbildungsangebote wurden zusätzlich ermöglicht, wie
- 4-semstriges Kolleg für MaturantInnen zum Erwerb der Berufsbefähigung,
- 1989 -1999: berufsbegleitende AssistentInnen - Lehrgänge (Ext.VO),
- Reifeprüfung, Berufsreifeprüfung und Studienberechtigungsprüfung, Nostrifikation (Ext.VO),
- Lehrgang für Sonderkindergartenpädagogik für Berufstätige,
- Kurse zur Ausbildung von LeiterInnen,
- Fortbildungsveranstaltungen für KindergärtnerInnen.
Literatur:
Eva Englberger: ... um den Begriff „Patrizigasse“ zu beleuchten ...
In: bakip21 (Hg.): GRATULIERE; Die Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik der Stadt Wien feiert 25 Jahre Schulstandort in Wien - Floridsdorf ... in der Patrizigasse!
Wien. Eigenverlag, 2003.

